Google Project Soli: Mini-Radar revolutioniert Steuerungsmöglichkeiten im Smart Home

Bild: © Bobboz - Fotolia.com

Das US-Unternehmen Google steht heutzutage beinahe sinnbildlich für Innovation und technischen Fortschritt, sodass es nicht sonderlich verwundert, dass der Konzern im Rahmen der Entwicklerkonferenz Google I/O eine neue Technologie präsentierte, die die Steuerung von Mobilgeräten revolutionieren könnte.

Googles Forschungsabteilung revolutioniert alte Technologie

Wenngleich Google für die Entwicklung gänzlich neuartiger Verfahren bekannt ist, so beruht die Technik, die sich hinter dem Namen „Project Soli“ verbirgt, auf einer Technologie aus den 1940er-Jahren, dem Radar. Der Hintergrund für die Wiederentdeckung der Radarwellen ist die Steuerungsproblematik, die sich aus der Tatsache ergibt, dass Mobilgeräte wie Smart-Watches immer kleiner werden und die Bedienung mittels Touchscreens oder auf Kamera-Systemen basierenden Steuerungslösungen kaum mehr möglich ist. Laut der Google-Managerin Regina Dugan, die zugleich Leiterin der unternehmensinternen geheimen Forschungsabteilung ATAP ist, sei nun der Punkt erreicht, an dem es für den Menschen mit herkömmlichen Technologien schwierig werde, die Geräte der nächsten Generationen adäquat bedienen zu können.

Bedienung per Mini-Radar ist optischen Systemen überlegen

Im Rahmen des Project Soli entwickelte ATAP einen Mini-Radar-Chip, der die Größe einer Cent-Münze aufweist und dementsprechend in jedem Mobilgerät verbaut werden kann. Dass dieser Prototyp bereits funktionstüchtig ist, demonstrierte Google-Forschungsleiter Ivan Pouyrev am Beispiel einer Smartwatch. Im Zuge der Demonstration zeigte sich, dass das Mini-Radar dazu in der Lage ist, feinste Bewegungen der Finger zu erkennen, sodass mittels Aneinanderreiben von Daumen und Zeigefinger beispielsweise ein virtueller Lautstärkeregler bedient werden konnte. Im Gegensatz zu optischen Systemen verfügt die Radar-Technologie über eine deutlich höhere Präzision, womit die Bewegungen und Gesten im dreidimensionalen Raum wesentlich besser erkannt und umgesetzt werden können, sodass auch Anwendungsfelder abseits des Einsatzes in Smart-Devices eröffnet werden.

Vielfältige Einsatzmöglichkeiten im Smart Home

Das Potenzial des Mini-Radar-Chips ist mit der Verwendung in mobilen Endgeräten bei Weitem noch nicht ausgeschöpft, denn auch im Zuge des Smart-Home-Konzepts könnte Googles Technologie seinen Anwendungsbereich finden. Überall dort, wo Haushaltsgeräte respektive deren Bedienelemente von Abnutzung bedroht sind, könnte die Technologie in Zukunft nutzdienlich eingesetzt werden. Denkbar wären vor allem Drehknöpfe an Waschmaschinen und Backöfen, die häufig von Verschleiß betroffen sind. Mit Hilfe unterschiedlicher Gesten, die durch den Radar-Chip problemlos erkannt werden, könnte die Funktionalität dieser Geräte, sofern sie, wie es zu erwarten ist, mit einem Screen ausgestattet werden, deutlich erweitert werden. Darüber hinaus ließen sich im Allgemeinen zahlreiche mechanische Schalter im Haushalt durch platzsparende und annähernd wartungsfreie Radar-Bedienelemente ersetzen, die das Herablassen der Rollläden oder das Anschalten und Dimmen der Beleuchtung auf eine Fingergeste hin ermöglichen.

Auch wenn sich Googles Mini-Radar-Chips noch immer in der Erprobungsphase befinden und es noch einige Zeit dauern wird, bis sie Einzug in Mobilgeräte und in die eigenen vier Wände erhalten, liegt es dennoch auf der Hand, dass die Zukunft höchstwahrscheinlich der Gestensteuerung via Radar-Technologie gehören wird.

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